Monthly Archives : Februar 2014

Übersetzung von Pseudoentlehnungen und falschen Freunden

Neulich lektorierten wir, das Team der Sprachenfabrik, für einen Kunden eine englischsprachige Customer Solution. Darin ging es unter anderem um Produkte, die der Kunde wiederum im Auftrag seines Kunden lagerte und auslieferte, z. B. Surf-Sticks. Dieses vermeintlich englische Wort stieß bei unserer britischen Lektorin auf Unverständnis. Erst nach einer Google-Recherche konnte sie ergründen, was hier gemeint war. Es handelt sich bei dem Wort „Surf-Stick“ nämlich um eine Pseudoentlehnung – im englischen Sprachraum wird das Gerät „dongle“ genannt. Ähnlich wie beim viel zitierten Handy waren hier wohl deutsche Muttersprachler am Werk, die gedacht haben müssen, dass ein englischer Produktname für potenzielle Kunden ansprechender sein könnte. Weitere Beispiele sind die deutschen Wörter „Beamer“, „Bodybag“, „Public Viewing“ und „Slip“.

Um Pseudoentlehnungen handelt es sich im Deutschen jedoch nicht nur bei vermeintlich englischen Wörtern. Auch sogenannte „Scheingallizismen“, also Wörter, die aus dem Französischen zu kommen scheinen, finden sich im Duden. Beispiele dafür sind „Friseur“, „Delikatesse“ und „Blamage“. Diese haben sich wohl ins Deutsche geschlichen, als die französische Sprache gerade besonders „en vogue“ war.

Silicon Valley – das Silikontal?

Vor einiger Zeit wurde von den Medien die deutsche Übersetzung der Steve-Jobs-Biografie recht stark kritisiert, u. a. für einen Fehler, bei dem es sich um einen „false friend“ handelte: Das englische Wort „silicon“ war mit „Silikon“ übersetzt worden – richtig wäre jedoch „Silizium“ gewesen; das englische Wort für Silikon ist „silicone“. Falsche Freunde sind Wörter, die z. B. orthografisch oder phonetisch ähnlich sind, aber nicht dasselbe bedeuten. Dies kann einerseits zu witzigen Missverständnissen führen – das englische Wort „gift“ bedeutet etwa „Geschenk“ und nicht „Gift“; andererseits aber auch zu schwerwiegenden Fehlern, wenn z. B. „billion“(im amerikanischen Englisch das Wort für Milliarde) und „Billion“ verwechselt werden.

Damit Ihnen so etwas nicht passiert, haben wir nachfolgend einige falsche Freunde verschiedener Sprachen aufgeführt, die oft zu Verwechslungen führen.

 

Englisch deutsche
Bedeutung
Deutsch englische
Bedeutung
actual tatsächlich aktuell current
chef Küchenchef Chef boss
procurer Zuhälter Prokurist attorney
spot Fleck, Punkt Werbespot commercial, advert
to realize einsehen, begreifen realisieren to implement

 

Französisch deutsche
Bedeutung
Deutsch französische
Bedeutung
appartement Wohnung Appartement studio
baiser Küssen Baiser meringue
infusion Kräutertee Infusion perfusion
médecin Arzt Medizin médecine
taille Größe Taille silhouette

 

Niederländisch deutsche
Bedeutung
Deutsch niederländische
Bedeutung
bellen klingeln bellen blaffen
winkel Laden Winkel hoek

 

 

 

Übersetzung von InDesign und Co.

Wir von der Sprachenfabrik sind regelmäßig dafür verantwortlich, Texte aus den Bereichen Kommunikation und Marketing in verschiedene Sprachen zu übersetzen. Durch den Umgang mit Translation-Memory-Systemen (sogenannte CAT-Tools; Computer Assisted Translation) sind wir mit den Herausforderungen vertraut, die beim Import spezieller Dateiformate aus Grafikprogrammen wie InDesign, QuarkXPress und Adobe FrameMaker bestehen. Die Aufgabe besteht hier nicht nur im Bereich der reinen Übersetzung. Probleme entstehen oftmals bereits beim eigentlichen Erstellungsprozess der Dokumente.

Viele professionelle Tools im Bereich Authoring, wie zum Beispiel Adobe FrameMaker oder XMetaL Author, bauen seit geraumer Zeit auf das Prinzip des Single-Source-Publishings, bei dem Texte in einem einzigen Quellformat (z. B. XML) verfasst und anschließend in mehrere Dateiformate übertragen werden. Leider setzen die Hersteller von Programmen im Bereich Mediengestaltung, wie etwa Adobe Photoshop oder InDesign, dieses Prinzip noch nicht um. InDesign-Dokumente können in übersetzungskompatible Dateiformate exportiert werden, allerdings heißt dies nicht unbedingt, dass ihre Struktur auch wirklich für die Übersetzung geeignet ist.

Zwar sind die meisten Grafiker gut ausgebildet und angehalten, bestimmte Vorgaben zu befolgen, jedoch ist dies bei Zeit- und Termindruck nicht immer möglich. Daraus können Probleme entstehen, die den Autoren selbst nicht bewusst sind, die aber die Übersetzung von InDesign-Dokumenten zu einem sprichwörtlichen Hexenwerk machen. Im Folgenden einige anschauliche Beispiele, auf die wir regelmäßig stoßen.

Übersetzungsoptimierung von InDesign-Dokumenten

In InDesign-Dokumenten, die zur Übersetzung bestimmt sind, sollte zusammenhängender Text immer in verknüpften Textrahmen untergebracht sein, sodass die Reihenfolge der Textbestandteile beim Einlesen in das Übersetzungstool eingehalten wird. Wenn aus Layout- oder Designgründen mehrere einzelne Textrahmen verwendet und diese nicht ordentlich verknüpft werden, kann das CAT-Tool sie nicht in die richtige Reihenfolge bringen und die Textbestandteile stehen wahllos hintereinander.

Platzierung von Textrahmen 

InDesign-Beitrag_FK

In diesem Beispiel wurden verschiedene Textrahmen aneinander platziert. In InDesign bzw. aus der Sicht des Autors bestehen hier keine offensichtlichen handwerklichen Mängel. Wenn man diesen Text jedoch zur Übersetzung in ein CAT-Tool importiert, ist es möglich, dass die Reihenfolge verloren geht. Translation Memorys zeigen dann keine brauchbaren Matches an. Die Übersetzung solcher Segmente gestaltet sich im Übrigen so kompliziert, da Übersetzungswerkzeuge bei Dateiformaten wie InDesign keine Voransicht des Zieldokumentes anzeigen. Der Übersetzer arbeitet in einem systemeigenen Editor, in dem ausschließlich die Textinhalte aus dem Layoutdokument angezeigt werden – und zwar genau so, wie sie eingegeben wurden, und nicht, wie sie im Layout dargestellt werden

Bei der Übersetzung von Word- oder PDF-Dokumenten werden hingegen Voransichten der Zieldokumente dargestellt. Hier gestaltet sich der Übersetzungsprozess daher wesentlich einfacher.

Fehler bei der Übersetzung durch ausgeblendete Elemente in InDesign

Ein anderes spannendes Beispiel sind Montageflächen bzw. Pasteboards, welche in InDesign unter anderem dazu verwendet werden, um Kommentare festzuhalten oder weiterzugeben. Beim Export der Texte aus InDesign in das CAT-Tool werden alle Elemente kopiert, die in dem Dokument enthalten sind. Das bedeutet, dass auch die bereits erwähnten Montageflächen exportiert werden, sofern sie nicht ausgeblendet oder entfernt werden. Wenn ältere Dokumente als Vorlagen verwendet werden, können alte Montageflächen durchaus übersehen werden, weil sie ausgeblendet sind. Dies gilt ebenfalls für versteckte Elemente bzw. „Hidden Layers“, welche noch im Dokument enthalten sind.

Solche Fehler im Erstellungsprozess verursachen nicht nur einen hohen Nachbearbeitungsaufwand, sondern sorgen in dessen Folge auch für höhere Übersetzungskosten.

Wir stellen uns der Übersetzungsherausforderung

Die Sprachenfabrik versucht, die Herausforderung der Übersetzung solcher Dateiformate auf verschiedenen Wegen zu bewältigen. Durch Schulungen sowie regen Austausch und die Kommunikation mit den Autoren und Grafikern, schaffen wir ein Bewusstsein für das „übersetzungsgerechte Arbeiten“ mit Desktop-Publishing-Tools. Außerdem geben wir den Autoren Strukturkonzepte bzw. Material zur Verfügung oder unterstützen sie direkt beim Erstellungsprozess.

Wir hoffen, dass wir Sie durch diesen Artikel ein wenig für dieses Thema sensibilisieren konnten. Vielleicht können wir in Zukunft auch Ihre InDesign-Dokumente übersetzen?