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Winterzeit ist Lesezeit – Buchtipps von unserer Kollegin Barbara

DasMädchenausStockholm

Das Mädchen aus Stockholm
ISBN 978-3-492-30669-0
Piper Verlag

Dunkle Geheimnisse und tiefgreifende Generationenkonflikte sind die Würze dieses spannenden über sechzig Jahre umspannenden Familienromans: Es geht um den im dänischen Widerstand kämpfenden Pfarrer Thorvald und seine Frau Gerda, um deren Zwillingssöhne Leif und Leo und ihre schicksalsreiche Begegnung mit der faszinierenden Ninni aus Stockholm und um Leos Tochter Helena, die in Berlin auf eine Annäherung mit ihrer entfremdeten Tochter Sophie hofft.
Vor dem Hintergrund historischer Ereignisse gewährt Hanne-Vibeke Holst dem Leser Stück für Stück Einblick in das Seelenleben der Charaktere und erzählt aus wechselnden Perspektiven und Zeitebenen, von Kopenhagen über Paris bis nach Berlin, bis am Ende schonungslose Wahrheiten ans Licht kommen.
Der Roman lebt von temporeichen und überraschenden Wendungen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen – ein Buch, das trotz einiger Schwächen bei den Charakteren und dem fulminanten Ende sehr zu empfehlen ist.

DieKöniginderOrchardStreet

Die Königin der Orchard Street
ISBN 978-3-458-36142-8
Insel Verlag

Gewidmet ist das Buch Frank McCourt, der mit „Die Asche meiner Mutter“ Weltruhm erlangte – und ebenso mitreißend, traurig und ehrlich ist die Geschichte des kleinen jüdischen Einwandererkinds Malka in New York: Ohne Familie, völlig mittellos und verkrüppelt landet sie kurz vorm Ersten Weltkrieg in die Obhut von Salvatore Dinello, in dessen Küche sie die faszinierende Welt der Eiscreme-Herstellung für sich entdeckt und schließlich Jahre später mit Rafinesse und Chuzpe zu Amerikas berühmt-berüchtigter Eiskönigin Lilian Dunkle wird.
Der Roman ist mehr als nur eine klassische Einwandererstory: Die Entwicklung der vom Schicksal und ihren Mitmenschen arg gebeutelten und bemitleidenswerten Malka zu ihrem späteren wenig sympathischen, verbittertem Alter Ego ist zeitweise etwas extrem, aber gar nicht so weit von vergleichbaren Lebensgeschichten entfernt und zieht einen in seinen Bann. Ähnlich wie bei Frank McCourt ist man fassungslos, wenn der Vater nach jahrelangem Wiedersehen der Tochter das ganze Geld abnimmt und sie allein und betrunken zurücklässt in Delaware, so dass sie sich nicht mehr von ihrem Mann in North Carolina verabschieden kann, der tags darauf in den Krieg zieht.
Auch wenn historische Ereignisse nur angekratzt werden wie die Progrome in Russland und das wenig vielversprechende Leben der Einwanderer an Manhattans Lower East Side um 1913, so ist auch dies notwendig, um Malkas turbulente Reise durch das 20. Jahrhundert besser zu verstehen.
Versüßt wird die ansonsten möglicherweise deprimierende Geschichte vor allem durch die köstliche Welt der Eiscreme, deren aromatische Vielfalt und glorreichen Siegeszug Gilman mit viel Leidenschaft in diesem Roman beschreibt – für mich war es das ideale Buch unter der Sonne der Toskana, natürlich mit köstlichem Gelato.

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