Sprachenfabrik goes ERASMUS Sprachenfabrik-News 2017

Weg in eine neue Zukunft

Für zwei Wochen hatten wir einen Gast aus Syrien bei uns in der Sprachenfabrik: Hosep ist seit etwa einem Jahr in Deutschland, lebt derzeit in Detmold und unterstützt dort ehrenamtlich das Malteser Hilfswerk bei organisatorischen Dingen und als Übersetzer. Um sein Deutsch zu verbessern und erste Einblicke in die deutsche Arbeitswelt zu bekommen, hat der 32-Jährige den Arbeitsalltag in der Sprachenfabrik kennengelernt. Für ihn und für uns war es eine spannende Erfahrung und wir wünschen ihm viel Erfolg bei seinem …

… Weg in eine neue Zukunft

Lasst mich zuerst anfangen, indem ich mich vorstelle. Mein Name ist Hosep Berberian und ich komme aus Syrien. Es ist ein Jahr her, dass ich nach Deutschland kam. In den vergangenen Jahren haben zu viele Probleme mein Heimatland belastet wie der Bürgerkrieg, Krisen usw., so dass das Leben dort sehr schwer war. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, einen Wendepunkt für meine Zukunft zu machen und die Herausforderung des Lebens anzunehmen. Und das in einem Land , das sehr anders für mich ist, aber zur gleichen Zeit auch sehr interessant.

Deutschland ist für mich ein Land, in dem nicht nur der geographische Standort anders ist, sondern auch die Mentalität und der Lebensstil. Aufgrund meiner Bildung und Studiums konnte ich aber irgendwie diese erste Phase überstehen – den Kulturschock. Ja, das ist klar, dass ich in einem Gebiet geboren wurde, in dem die asiatische Mentalität dominant ist, aber die Interkulturelle Kommunikation, die ich studiert habe, hat mir sehr geholfen, meine Füße auf diesen neuen Boden zu stellen und die ersten Schritte auf dem Weg zum Aufbau meiner Zukunft zu machen.

Eine Kultur zu studieren ist etwas, es täglich zu leben und darin zu kommunizieren ist etwas anderes. Manchmal fühlt man sich als Fremder von einem anderen Planeten und der Hauptgrund für dieses Gefühl ist die Sprache. In meinem Heimatland gibt es ein Sprichwort: «Ինչքան լեզու գիտես, այնքան մարդ ես. (Deine Persönlichkeit hat mehrere Facetten/Leben, wenn Du viele Sprachen sprichst, frei übersetzt). Mit diesem Sprichwort habe ich kein Problem, weil ich von einer zweisprachigen Familie bin und von den ersten Schuljahren an habe ich drei Sprachen gesprochen: Armenisch und Arabisch als Muttersprachen und Englisch als Fremdsprache. Ich kann sagen, dass dieser Faktor sehr hilft so viel über neue Sprachen zu lernen und neue Kulturen kennenzulernen. Europa und der Westen sind immer ein Traum für Ostvölker und ich bin einer dieser Menschen, die diesen Traum wahr werden lassen. Am Anfang war es ein bisschen schwierig sich anzupassen – ein fremdes Land, fremde Menschen und ganz neue Normen und Werte. Aber der Prozess dauerte nicht lange und ich fand mich eingefunden in dieser neuen Gesellschaft. Natürlich gibt es Hindernisse die Bürokratie, Behördengänge und den Papierkram betreffend, trotzdem ist das Leben sehr interessant und herausfordernd, was mich ermutigt, etwas Neues zu erleben.

Mitten in den vielen Unterschiedlichkeiten habe ich die Ordnung im täglichen Leben interessant gefunden. Die Menschen hier mögen sich gern zu viel begrenzen, dies ist oft gut, aber nicht immer. Meiner Meinung nach sollten sich die Menschen von dieser Routine befreien und ein wenig Aufmerksamkeit auf andere Aspekte des Lebens lenken. Manchmal müssen wir trennen, um eine Verbindung herzustellen. Zum Beispiel ist Karriere wichtig, aber Freunde und Familie brauchen auch Aufmerksamkeit. Dies ist jedoch eine Frage der Tradition und Kultur und ich bin nicht hier, um es zu ändern, sondern zu versuchen, mich daran anzupassen, ohne zu vergessen, was mir gehört.

So, Deutschland. Ich bin hier. Ich stelle mich deiner Herausforderungen und ich bin bereit, ihnen zu begegnen und vorwärts zu gehen, auf meiner Reise – der Beginn meiner neuen Zukunft.