Sprachwissen

Kinderbuchklassiker aus aller Welt – unsere Übersetzer verraten ihre Favoriten

Start unserer Serie: Wimmelbücher

Seitdem ich Mutter bin, treibe ich mich ständig in der Kinderbuchabteilung der Buchhandlung herum – aber nicht, weil mein Sohn dort alles auf den Kopf stellt. Vielmehr begeistern auch mich die tollen Geschichten und gut illustrierten Bücher, eine Mischung aus Déjà-vu und Renaissance. Und mit jedem weiteren Jahr und zahlreichen Neuerscheinungen eröffnen sich mir neue, aber auch wiederentdeckte Welten bzw. Klassiker. Beim letzten Vorlesetag in der Schule habe ich beispielsweise aus dem Buch „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler vorgelesen – ich konnte mich kaum an die Geschichten erinnern und war begeistert, genau wie mein Sohn! Neu entdeckt habe ich dann zufällig einen (schwedischen) Klassiker, den die Buchhändlerin mir empfahl und eine andere, etwa 60-jährige Dame sagte: „Latte Igel kenn ich auch noch, ein Klassiker!“ Warm ums Herz wurde es mir in den Ferien, als wir an einem Regentag das Museum der Augsburger Puppenkiste besucht haben und ich meine Kinderbuch- (und Fernseh-)Helden Jim Knopf, Lukas oder das Urmel dort gesehen habe. Aber auch das wunderschön illustrierte Buch von 2014 über die Maus „Lindbergh“, die von Hamburg nach New York flog, ist für mich ein Klassiker-to-be.

Spannend ist daher für mich die Frage, welche Klassiker/Topseller es außerhalb Deutschlands gibt, die sich, vielleicht sogar international, ihren festen Platz in Kinderbuchregalen erobert haben, aber hierzulande gar nicht so bekannt sind wie etwa Pippi Langstrumpf oder Michel (bzw. Emil) aus Lönneberga. Viele unserer Übersetzer haben in ihren verstaubten Bücherkisten gekramt, Freunde gefragt oder sind einfach in die heimische Buchhandlung gegangen und haben uns spannende Bücher ausgesucht, die wir künftig in loser Folge hier im Blog vorstellen werden – wir freuen uns über weitere Ideen und Tipps zu dem Thema!

Unsere kleine Serie beginne ich heute mal mit einer deutschen Bilderbuch-„Institution“, es geht um die Wimmelbücher: Das sind großformatige Bilderbücher, gefüllt mit unzähligen Geschichten und voller fantastischer und lustiger Bilderwelten, in denen Groß UND Klein immer wieder etwas Neues entdecken kann. Als einer der Väter der Wimmelbücher gilt Ali Mitgutsch, der 1968 sein erstes Wimmelbuch veröffentlichte. Auch den Erfinder des Bestsellers „Die Abenteuer der schwarzen Hand“(1964), Hans Jürgen Press, kann man dazu zählen, obwohl er sich mit seinen Detektivgeschichten und Zeichnungen an Schulkinder statt an die Allerkleinsten gewandt hat. International ein absoluter Spitzenreiter unter den Wimmelbüchern ist der englische Titel „Where is Wally“ von Martin Hanford, der in 33 Ländern und in 22 Sprachen 43 Millionen Mal verkauft wurde. Mein Favorit jedoch ist die Wimmlingen-Reihe von Rotraut Susanne Berner: In fünf Büchern werden Szenen an denselben Orten in der Stadt Wimmlingen gezeigt, jeweils zu einer anderen Jahreszeit sowie in einer Sommernacht. Was haben wir nicht alles entdeckt in den vier Jahren, in denen die Bücher bei uns hoch im Kurs standen: Wie aus dem Motorradfahrer ein Weihnachtsmann wurde; wo sich auf jeder Seite der Papagei Niko versteckt hat, nachdem er ausgebüxt ist aus seinem Käfig; wie die Polizei nicht nur den Radfahrer ohne Licht, sondern auch den Einbrecher auf frischer Tat im Buchladen ertappt hat – und noch so viel mehr gab es zu entdecken in diesen wundervollen Büchern der mit dem international renommierten Hans Christian Andersen-Preis ausgezeichneten Illustratorin. Diese Buchreihe ist zwar erst 10 Jahre alt, aber in unserer Familie ist sie schon jetzt ein Muss für alle folgenden Generationen und Buchanfänger. Und erfreulicherweise gibt es die Bücher auch in anderen Sprachen – wobei das eigentlich gar nicht notwendig ist, die Bilder sprechen ja für sich und so ist Wimmlingen einfach überall!

Demnächst folgen an dieser Stelle weitere Beiträge, in denen einer unserer Übersetzer von seinem oder ihrem liebsten Kinderbuch erzählt – wir freuen uns darauf!

Bildquelle: https://www.gerstenberg-verlag.de/fileadmin/media/cover_lightbox/9783836950336.jpg

Welttag der Muttersprache

Wissen Sie was der Hesse mit „Wutzeschnuppe“ meint? Oder was sich hinter dem pfälzischen „haihupser“ versteckt? Was meint der Nordfriese wohl, wenn etwas „heskebes“ passiert? Sehr wahrscheinlich liegt es daran, dass Sie nicht aus diesen Teilen Deutschlands stammen und diesen Dialekten daher nicht mächtig sind. Oder aber die Sprache ist vor dem Aussterben bedroht, wie bspw. das Nordfriesische.

Von den weltweit derzeit ca. 6.000 gesprochenen Sprachen, sind etwa 2.500 vom Aussterben bedroht. Da es immer weniger Menschen gibt, die diese Sprache noch sprechen und somit weiter geben können. In manchen Fällen sind Sprachen erst gar nicht erfasst – meist solche mit oft weniger als hundert Sprechern.

Auf der Website der UNESCO ist eine interaktive Karte zu finden, der „Atlas of the World Languages in Danger“. Darauf werden die Sprachen in Kategorien von „gefährdet“ bis „ausgestorben“ eingeteilt und man findet Informationen zu Sprecherzahl und Gebiet.

http://www.unesco.org/languages-atlas/en/atlasmap.html

Ein Bewusstsein für das Verschwinden vieler Sprachen zu schaffen, ist einer der Gründe, warum am 21. Februar der internationale Tag der Muttersprache gefeiert wird. Der Aktionstag soll nicht nur darauf aufmerksam machen, dass Sprachen, auch in unserem Umkreis, nicht mehr gesprochen werden, sondern auch, dass unsere jeweilige Sprache das ist, was verschiedene Menschen einer Gruppe eint und zu einer Gemeinschaft formt.

Im Jahr 2000 wurde dieser Feiertag von den Vereinten Nationen auf Vorschlag der UNESCO eingeführt. Er dient der Erinnerung und Würdigung des Kulturguts Sprache.

Anlass war eine Demonstration in der Hauptstadt Dhaka des damaligen Ost-Pakistan gegen die Einführung der Amtssprache Urdu am 21. Februar 1952. Urdu wurde nur von ca. 3 Prozent gesprochen – von der regierenden Schicht der Gesellschaft sowie von Muslimen, die für die Gründung des Staates Pakistan waren. Der Großteil der Bevölkerung (mehr als 56 Prozent) Ost- und Westpakistans sprachen Bengali als Muttersprache. Der Bürgerkrieg, der neun Monate andauerte, endete 1971 mit der Erklärung der Unabhängigkeit Ost- Pakistans. Die Landessprache in dem neuen Staat Bangladesch war seit dem Bengali.

Auch in diesem Jahr finden zu diesem Tag in vielen Städten Deutschlands spannende Veranstaltungen statt: Schnuppersprachkurse, Lesungen, Theater, Filme, Gesang, Kulinarisches…

Auch wir in der Sprachenfabrik lassen ab und an unsere jeweiligen Muttersprachen aufleben: Paulina kredenzt uns knackige polnische Begriffe, Martins und Verdiana bringen sich gegenseitig lettische und italienische Ausdrücke bei, während Johanna ihren fränkischen Einschlag durchblicken lässt. Barbara zaubert allen Nicht-Westfalen mit Worten wie „Pömpel“, „verhackstücken“ oder „Buxe“ ein Fragezeichen ins Gesicht. Uns macht es in jedem Fall sehr viel Spaß unsere Muttersprachen und dazugehörigen Dialekte auszutauschen – besonders am Tag der Muttersprache!

Wir wünschen allen einen wunderschönen Tag der Muttersprache!