Kultur und Sprache

Ein Hoch auf unsere Sprachmittler*innen

Liebe Übersetzerinnen und Übersetzer, liebe Dolmetscherinnen und Dolmetscher,

wie jedes Jahr ist heute, am 30. September, Hieronymustag. Es ist der Internationale Tag des Übersetzens. In diesem Jahr möchten wir diesen Tag gern zum Anlass nehmen, um uns ganz ausdrücklich bei euch, allen aktiven Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen aus unserem Netzwerk, zu bedanken. Und das sind mittlerweile über 500 Sprachexpert*innen, für mehr als 40 verschiedene Zielsprachen und einem bunten Strauß an thematischen Spezialisierungen und Fachgebieten, von A wie „Architektur“ über L wie „Logistik“ bis Z wie „Zahlungsverkehr“.

Wir sagen Danke für …

… euer Mitdenken!

Ihr seid einfach sprachliche Perfektionist*innen, immer mit Herzblut dabei und gedanklich voll im Text und in eurem Projekt – während hier im Projektmanagement die Drähte heiß laufen und Aufträge jongliert werden. Es wird (ausdrücklich auch von unserem Kund*innen!) sehr geschätzt, wenn dank eurer Aufmerksamkeit und Liebe zum Detail hier und da noch ein kleiner Fehler im Ausgangstext verbessert werden kann.

… eure Genauigkeit!

Ihr seid einfach die Expert*innen für eure Sprachen, Sprachkombinationen und Themenschwerpunkte. Bitte „bombardiert“ uns weiterhin mit Fragen und Hinweise auf Unstimmigkeiten zu laufenden Aufträgen und Projekten. Auch wenn es im ersten Moment scheinbar den Prozess verzögert: Ihr habt ja recht 😉

… eure Ausdauer!

Wir wissen: Auch die fünfte Korrekturschleife eines Textes erledigt ihr gern für uns. Ihr seid einfach immer so lange für uns da, bis die Texte für unsere Kund*innen perfekt sind.

… eure Flexibilität und Einsatzbereitschaft!

Der erfolgreiche Abschluss unserer gemeinsamen Projekte liegt euch ebenso am Herzen wie uns. Da wird auch schon mal eine kleine Rückfrage während des Elternabends im Kindergarten beantwortet oder Zeit in ein neues Tool investiert. Wow!

… die persönliche Zusammenarbeit!

Ganz besonders schätzen wir eure Bereitschaft, partnerschaftlich und kollegial mit unserem Projekt- und Vendormanagement zusammenzuarbeiten. Wir freuen uns über persönliche Fotos und Post von euch und mögen die offenen Gespräche: über Hochzeiten und euren Nachwuchs, Hobbies und gemeinsame Interessen – auch über private Sorgen und Nöte insbesondere seit dem Beginn der Corona-Pandemie.

Wir sind wirklich stolz darauf, dass wir unseren Kundinnen und Kunden mit eurer Unterstützung nahezu jeden sprachlichen Wunsch erfüllen können. Schön, dass ihr Teil des Teams seid!

Eure Kolleginnen und Kollegen aus der Sprachenfabrik

Linguistik studieren – ein Alltag mit Krisenexperimenten

Hallo! Ich bin Annika Schimmel und seit Anfang Juli Praktikantin im Bereich Projektmanagement hier in der Sprachenfabrik. Außerdem studiere ich zurzeit im Kernfach Linguistik und im Nebenfach Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.

Besonders zu meinem Kernfach werde ich oft fragend angeschaut, sobald ich bei entsprechender Gelegenheit den Studiengang „Linguistik“ nenne. Dass er etwas mit Sprache zu tun hat, können sich die meisten noch herleiten, doch dann geraten sie oft ins Stocken. Und ehrlich gesagt ist es auch gar nicht so einfach zu erklären. Um für etwas Aufklärung zu sorgen, möchte ich im Folgenden näher beschreiben, womit sich das Fach Linguistik nun eigentlich beschäftigt.

Die Forschungsdisziplin Linguistik

Die Linguistik legt den Fokus nicht auf eine bestimmte Sprache, sondern forscht sprachenübergreifend. Zudem unterteilt sich die Linguistik in verschiedene Forschungsgebiete, wie beispielsweise die Grammatik und die Semantik oder auch die Computer- und die Psycholinguistik. In manchen Forschungsgebieten, wie zum Beispiel der Grammatik, kann es also sein, dass man sich mit mehreren Sprachen gleichzeitig beschäftigt. Beispielsweise, indem man grammatische Phänomene aus verschiedenen Sprachen miteinander vergleicht. Im Studium beschäftigen wir uns somit teilweise sogar mit Sprachen, die wir noch nicht einmal richtig sprechen oder verstehen können! Das macht es sehr interessant, denn das Studium bietet einem so die Möglichkeit, sich einer neuen Sprache aus einer übergeordneten Perspektive zu nähern.

Ein weiteres Forschungsgebiet, das gleichzeitig der Schwerpunkt meines Studiums ist, trägt den Titel „Kommunikationsanalyse“. In der Kommunikationsanalyse liegt der Fokus größtenteils auf verbalen Gesprächen, also auf der Interaktion zwischen Menschen im Gespräch. Es ist wirklich unglaublich, wie viel sich selbst anhand von nur wenigen Sätzen analysieren lässt! In unserer verbalen Interaktion befolgen wir viele Regeln tagtäglich und ohne dass wir es merken. Der Grund dafür liegt in unserem Unterbewusstsein: Viele Regeln haben wir schon so oft umgesetzt und von klein auf gelernt, dass wir sie mittlerweile gar nicht mehr als Regeln wahrnehmen.

Garfinkels „Krisenexperimente“

Um sich dies besser vorstellen zu können, möchte ich im Folgenden ein Beispiel nennen. Dieses stammt von Harold Garfinkel, der eine Vielzahl von sogenannten „Krisenexperimenten“ durchgeführt hat. In denen wurden die Regeln der alltäglichen Interaktion bewusst gebrochen, um genau diese Regeln aufzuzeigen.

In einem dieser Experimente stellt Person A zunächst die alltägliche Frage „Wie gehts dir?“. Person B antwortet auf diese Frage allerdings nicht mit einer üblichen Antwort wie „Gut, und dir?“, sondern mit einer Gegenfrage: „Wie gehts mir in Bezug worauf? Körperlich, psychisch, finanziell…?“. Person A reagiert darauf empört: „Ich versuche einfach nur, höflich zu sein.“

Person B antwortet auf die Floskel von Person A also mit einer ernst gemeinten Gegenfrage, welche nicht der Erwartung von Person A entspricht, was sich an der Empörung erkennen lässt. Dadurch kann zugleich die Regel festgestellt werden: Die Frage „Wie gehts dir?“ wird häufig lediglich als Einstiegsfloskel in ein Gespräch verwendet, auf die eine Äußerung wie „Gut, und dir?“ und keine ernsthafte Antwort erwartet wird.

Neben diesem Beispiel gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, um unsere Regeln in der alltäglichen Interaktion aufzuzeigen. Und das Praktische ist: Weil jede*r von uns tagtäglich Teil von Interaktionen ist, hat auch jede*r von uns die Möglichkeit, diese Krisenexperimente selbst auszuprobieren! Vielleicht gehen auch Sie demnächst einmal der Linguistik auf die Spur… Sie glauben gar nicht, wie viel Sie selbst über Ihre eigene Interaktion erfahren werden!

„Nicht nur ein einziges Leben leben“ – Gedanken zum Welttag des Buches

Heute ist der 23. April 2021, ein völlig normaler Arbeitstag bzw. der letzte Arbeitstag vor einem wohlverdienten Wochenende! Allerdings ist heute außerdem ein wichtiger Feier- bzw. Aktionstag, den wir bei der Sprachenfabrik nicht vergessen haben: Es ist der Welttag des Buches. Dies erscheint vielleicht nicht ganz so bedeutsam oder feierlich wie beispielsweise die kürzlich vergangenen Ostertage, zumal der Buchhandel und die Verlage besorgt beobachten, dass sich zunehmend weniger Menschen für Bücher interessieren, ob in gedruckter oder digitaler Form. Doch bevor wir uns ausschließlich diesem Thema widmen, möchte ich mich einmal kurz vorstellen.

Mein Name ist Julia Härter, ich bin Studentin der Anglistik und Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld und seit Anfang April außerdem Praktikantin im Projektmanagement bei der Sprachenfabrik GmbH. Ich wurde von dem sehr netten Team willkommen geheißen und darf nun von zu Hause aus verantwortungsvolle, abwechslungsreiche Aufgaben im Projekt- und Vendormanagement übernehmen. Obwohl ich mir sicherlich kein Praktikum im Homeoffice erhofft habe, verläuft die Arbeit erstaunlich reibungslos. Das Homeoffice bringt mich auch zurück zu unserem Thema.

Der Grund für das nunmehr weithin bekannte Homeoffice ist die anhaltende Corona-Krise, welche den Welttag des Buches womöglich umso wichtiger macht. Denn Bücher und das Lesen bieten angesichts der aktuellen Lage ungeahnte Chancen. Die Corona-Krise hat zweifellos viele Dinge verändert. Was sich jedoch kaum verändert haben dürfte, ist die Lust zu reisen, den Alltag zu vergessen, Abenteuer zu erleben und neue Kulturen zu entdecken. Dies scheint sogar ganz im Gegenteil jetzt noch mehr gefragt zu sein als zuvor. Doch unkompliziertes Reisen dürfte derzeit kaum möglich sein. Wie soll man sonst dem Alltag zumindest für kurze Zeit entfliehen und etwas Abwechslung finden? Eine Möglichkeit besteht sicherlich darin, sich in andere Welten, wenn man sie schon nicht bereisen kann, oder Charaktere hineinzuversetzen.

Wenngleich das Bedürfnis nach Abwechslung und Abenteuer unverändert groß geblieben ist, konzentriert sich der Blick allerdings doch eher auf den PC oder den Fernseher und streift nur selten das Bücherregal. Dabei ist das Lesen doch mindestens ebenso unverändert spannend und aufregend geblieben. Umberto Eco bringt dies wunderbar auf den Punkt: „Wer nicht liest, wird mit 70 Jahren nur ein einziges Leben gelebt haben: sein eigenes. Wer liest, wird 5000 Jahre gelebt haben. […] Denn Lesen ist eine Unsterblichkeit nach hinten.“ Lesen ist damit zwar nicht ganz dasselbe wie ein sonniger Strandurlaub, ein aufregender Städtetrip oder eine abenteuerliche Wanderreise, aber sich bei einem guten Buch in ein Abenteuer oder in ein anderes Leben hineinzuträumen klingt auch nicht schlecht, oder? Geben Sie Ihrem Bücherregal oder Ihrem E-Book heute eine Chance, entdecken Sie das Lesen wieder neu und begeben Sie sich auf eine spannende, wenn auch etwas andere, Reise.

Weiterführende Links:
https://www.deutschland.de/de/topic/kultur/buchmesse-was-lesen-die-deutschen

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/streaming-boom-boerse-101.html

https://www.welttag-des-buches.de/aktuelles

Zum vierten Advent: Es weihnachtet sehr!

So schnell ist der Dezember vorangeschritten, dass es nur noch vier Tage dauert, bis wir alle das Weihnachtsfest genießen dürfen – oder? Wir haben dieses Jahr einen Teil unserer Kolleg*innen gefragt, ob und wie sie eigentlich Weihnachten feiern – und so multikulturell wie unser Team ist, so unterschiedlich waren auch die Antworten.

Von Väterchen Frost bis Roast-Dinner
Martins, Olesya und Ilona, alle drei arbeiten im Projektmanagement, stammen aus östlichen Ländern. Sie sind nicht mit Weihnachtsmann oder Christkind, sondern mit Väterchen Frost aufgewachsen. Väterchen Frost ist eine dem Weihnachtsmann ähnelnde, ursprünglich russische Märchenfigur, die aus der slawischen Mythologie stammt und die Personifikation des Winters ist. In Lettland und Estland kommt Väterchen Frost am 24. Dezember, doch bevor die Kinder ein Geschenk bekommen, müssen sie erst ein Gedicht aufsagen oder ein Liedchen singen. Estland ist außerdem übrigens einigen Quellen zufolge das Ursprungsland des Weihnachtsbaums.

In Russland lässt sich Väterchen Frost in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar blicken und verteilt um Mitternacht reichlich Geschenke. Allen drei Kulturen ist die Vorliebe gemein, an Festtagen ausgiebig und üppig zu essen. Da sind neun verschiedene Speisen auf der festlichen Tafel keine Seltenheit, während ein beachtlicher Teil der Deutschen am Heiligenabend doch eher zu Bockwürstchen und Kartoffelsalat greift.

Jemma, unsere britische Inhouseübersetzerin, hat hingegen erzählt, dass die Engländer*innen am 25. Dezember, dem „Christmas Day“, traditionell ein Roast-Dinner, also ein ausgedehntes Weihnachtsmahl mit Fleisch wie z. B. Truthahn oder Pute, mit der engen Verwandtschaft genießen. Dort kommt der „Father Christmas“ in der Nacht vom 24. Dezember auf den 25. Dezember durch den Kamin gesaust, verteilt die Präsente und genießt selbst gebackene Kekse der Kinder mit einem Glas Milch. Wenn man das Jahr über nicht so brav war, bekommt man ein Stück Kohle in die Weihnachtssocke gelegt. Uiuiui!

Unser türkischstämmiger Kollege Ant, ebenfalls aus dem Übersetzungsbereich, feiert traditionell keine Weihnachten, lässt sich aber gerne jedes Jahr aufs Neue von der besinnlichen und feierlichen Weihnachtsatmosphäre mitreißen und hat in dieser Zeit die klassischen, vor allem alten Weihnachtsfilme für sich entdeckt.

Wie sagt man so schön: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Ganz egal, wie und wann man Weihnachten feiert, die Zeit zum Ende des Jahres ist atmosphärisch eine der schönsten. Viele Menschen nutzen die Zeit, um das fast vergangene Jahr nochmal Revue passieren zu lassen, Negatives hinter sich zu lassen und das neue Jahr mit positiven Gedanken und Hoffnungen zu begrüßen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen allen ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Zum dritten Advent: O Tannenbaum, ein Blick hinter die Kulissen

Alle Jahre wieder rieselt der Schnee. Oh, du Fröhliche, klingelingeling. Oder so ähnlich. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit wird so viel gesungen wie vermutlich sonst im gesamten Jahr zusammen nicht. Und auch in diesem besonderen Jahr – in dem die Möglichkeiten, durch gemeinsames Singen die Vorfreude auf die anstehenden Weihnachtsfeiertage zum Ausdruck zu bringen, stark beschränkt sind – bleiben die klassischen Weihnachtslieder doch überall gegenwärtig: im Radio, auf CD oder sonstigen Tonträgern und in diversen Weihnachtsplaylists wohl aller Streamingdienste.

Doch was besingen wir eigentlich in den klassischen, weihnachtlichen Volksliedern?

  • Da haben wir die vertonte Weihnachtsgeschichte: „Ihr Kinderlein kommet“ oder „Kommet ihr Hirten“,
  • Lieder, die die christliche Botschaft aufgreifen: „O du Fröhliche“ oder „Es ist ein Ros entsprungen“,
  • natürlich den Bezug zur Jahreszeit: „Leise rieselt der Schnee“ oder „Schneeflöckchen Weißröckchen“ oder
  • zu weltlichen Weihnachtsbräuchen: „Lasst uns froh und munter sein“ oder „Morgen Kinder wird’s was geben“.
  • Und es gibt auch Lieder, die sich einer ganz bestimmten Tradition widmen: „Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen“ und eben …

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie treu sind deine Blätter!
Du grünst nicht nur zur Sommerzeit,
nein, auch im Winter, wenn es schneit.
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie treu sind deine Blätter!

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
du kannst mir sehr gefallen.
Wie oft hat nicht zur Weihnachtszeit
ein Baum von Dir mich hoch erfreut!
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
du kannst mir sehr gefallen!

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Kleid will mich was lehren:
Die Hoffnung und Beständigkeit
gibt Kraft und Trost zu jeder Zeit.
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Kleid will mich was lehren.

Geschrieben um 1800 von August Zarnack (erste Version, ursprünglich ein Liebeslied) und Ernst Anschütz (überarbeitete, kindgerechtere Fassung) zu einer bereits vorhandenen Melodie gilt „O Tannenbaum“ als das wohl bekannteste weltliche Weihnachtslied. Seit vielen Jahrhunderten wird, entlehnt aus einem heidnischen Brauch und übernommen in das Christentum, zur Weihnachtszeit ein geschmückter Tannenbaum in den Wohnzimmern aufgestellt. Hier besingen wir die symbolische Bedeutung des Tannenbaums: Insbesondere das immergrüne Tannenkleid ist ein Zeichen für Treue und Beständigkeit. Zudem verweist die grüne Farbe bereits auf das kommende Frühjahr und die wiederblühende Natur. So gibt der immergrüne Baum Hoffnung, Kraft und Trost in der dunklen Jahreszeit.

Apropos Evergreen: Eine zweieinhalb Jahre alte Tochter und Vertreterin der Sprachenfabrik-Next-Generation hat den Aspekt der Beständigkeit auf ein anderes Niveau gehoben. Seit Dezember 2019 ist „O Tannenbaum“ das allabendlich favorisierte Schlaflied vor dem Ins-Bett-Gehen. Nicht nur zur Winterzeit, sondern auch im Sommer, wenn es gar nicht schneit. So hatten wir unser diesjähriges Weihnachtsmotto im wahrsten Sinne schon zur Sommerzeit im Kopf.

Und jetzt sind Sie an der Reihe: Welches Weihnachtslied gefällt Ihnen am besten?

Zum zweiten Advent: Grüße aus dem Teutoburger Wald

Jauchzet, frohlocket! Heute haben wir gleich zwei Gründe zu feiern, hat uns doch der Nikolaus in diesem Jahr am heutigen 2. Advent besucht. Und auch wenn wir erst morgen verraten, welch große Überraschung er für uns im Stiefel versteckt hat, haben wir heute schon etwas Besonderes mit Ihnen vor. In der letzten Woche haben wir Ihnen bereits unser diesjähriges Weihnachtsmotto verraten (O Tannenbaum!) und mit einer der wohl relevantesten Fragen unserer Zeit in Verbindung gebracht: Nachhaltigkeit. Heute möchten wir den Blick direkt in unseren Wald richten. Kaum etwas ist an Weihnachten so schön wie der Geruch der im Wohnzimmer stehenden Nordmanntanne. Und nur am Rande bemerkt: Auch für alle, die so wie ich nicht auf den Weihnachtsbaum verzichten wollen, gibt es inzwischen nachhaltige Lösungen, wie regionale Bio-Weihnachtsbäume und wieder einpflanzbare Weihnachtsbäume im Topf oder zur Miete. Kommt man dann erst mal auf den Geruch (oder Geschmack?), liegt ein Waldspaziergang nicht fern. Und zu diesem Spaziergang möchten wir Sie hier gerne mitnehmen.

Nur ca. 2 Kilometer Luftlinie von unserem Bielefelder Sprachenfabrik-Hauptsitz entfernt gehen wir los. Abgesehen von einem tapferen, einsamen Jogger ist weit und breit keine Menschenseele zu erahnen. Dieses Stück Teutoburger Wald ist wohl eher ein Geheimtipp. Allerdings ist das nicht nur zur jetzigen Zeit eigentlich ein Vorteil, ist die Chance doch so viel höher einem tierischen Waldbewohner zu begegnen. Wir atmen tief durch.

In dem im Wesentlichen von Buchen, Eichen, Fichten und Kiefern geprägten Wald sind bei Wanderungen Reh-, Rot-, Dam- und Schwarzwild häufig zu sehen. Die großen Wälder bieten aber auch störungsempfindlichen Tierarten Raum zum Überleben, wie dem Schwarzstorch: Immerhin 6 % der Naturparkfläche Teutoburger Wald/Eggegebirge sind Vogelschutzgebiete. Auch die sehr seltene Wildkatze kommt im Naturpark vor. Und natürlich finden wir auch die alltäglicheren (aber ebenso liebenswerten) Waldbewohner wie Eichhörnchen oder Füchse von Zeit zu Zeit.

Aber nicht heute. Heute sind wir alleine mit dem Rauschen des Laubes, dem winterlich-weihnachtlich anmutenden Duft der Kiefern und Fichten und dem etwas typisch-Bielefeld-trüben Wetter. Und während das Blut in unsere Wangen läuft und wir uns sinnierend über den legendären Arminius und das erwartbare Abschneiden des namensverwandten, heimischen Fußballvereins (Sie wissen schon, oder?) langsam auf den adventlichen Kaffee und Kuchen freuen, möchten wir Ihnen in diesem Sinne einen geruhsamen und besinnlichen 2. Advent wünschen!

Zum ersten Advent: O Tannenbaum

Nachhaltigkeit. Laut Duden ein „Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann“. Und in einer weiteren, etwas spezifischeren Bedeutungsvariante ein „forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann“.

Alle Kolleg*innen der Sprachenfabrik, die an unserem Stammsitz in Bielefeld den Teutoburger Wald als Naherholungsgebiet nutzen, mussten in der Vergangenheit sehen und miterleben: Es hat sich Vieles verändert. Hier muss sich Einiges regenerieren, es müssen zahlreiche Bäume wieder nachwachsen. Das Thema Waldsterben, bedingt durch viel zu trockene Sommer, heftige Stürme und Schädlingsbefall, ist für uns in der Region Ostwestfalen-Lippe im wahrsten Sinne des Wortes augenscheinlich.

So liegt es nahe, unsere eigenen Arbeitsprozesse zu reflektieren. Auch wenn Nachhaltigkeit wohl stets ein dynamisches Ziel bleiben wird, fällt uns auf, dass wir uns der Verantwortung der Umwelt gegenüber bewusst sind, und dass wir einige Dinge bereits wirklich gut in unserer täglichen Arbeit umsetzen:

Stichwort „Papier“

Wir arbeiten schon seit einigen Jahren nahezu papierlos. In unserem Projektmanagentsystem Plunet BusinessManager können wir alle Arbeitsschritte von A wie Anfrage bis Z wie Zustellen der Projektrechnung elektronisch erledigen. Auch die freiberuflichen Sprachexpert*innen reichen schon seit langer Zeit ihre Rechnungen an uns ausschließlich elektronisch ein. Dies hat für uns zum einen die Bearbeitungszeit erheblich reduziert – und zum anderen auch den Papierverbrauch. Und der Rechnungsausgleich erfolgt dann selbstverständlich nicht per Überweisungsträger, sondern via Online-Banking.
Auch die Zeiten, in denen ein Übersetzer mit Füllfederhalter und Pergamentpapier vor einem verstaubten Bücherregal saß, sind lange vorbei! In unseren state-of-the-art CAT-Tools memoQ und Across arbeiten alle Projektbeteiligten elektronisch und web-basiert. Korrektorate werden durch Kommentare in den Dateien selbst umgesetzt – und dass Texte, die wir in verschiedenen Sprachen für Sie erstellen, ohnehin direkt im gewünschten Dateiformat oder direkt in Ihrem CMS erstellt werden, erklärt sich von selbst.
In den ganz seltenen Fällen, in denen wir doch mal etwas förmlicher werden müssen, verwenden wir ausschließlich umweltfreundliches Recycling-Papier – auch wenn dieses, allerdings nur auf den ersten Blick, eine nicht ganz so schöne Haptik hat wie herkömmliches, gebleichtes Papier.

Stichwort „Mobilität“
Viele Kolleg*innen nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel für den Arbeitsweg. Die sportlich-aktiven unter uns kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, auch von weiter her. Unterstützung gibt es bei Bedarf in Form eines Jobrads. Und last but not least: Auch ein E-Auto befindet sich in der kleinen Dienstwagenflotte.
Momentan sind wir sogar noch nachhaltiger unterwegs als sonst, da wir größtenteils (durch den Einsatz unserer ausschließlich web-basierten Tools übrigens völlig reibungslos) mobil aus dem Homeoffice arbeiten. Aber das hat andere Gründe.

Haben Sie vielleicht noch weitere nachhaltige Ideen für uns? Wie arbeiten Sie möglichst umweltfreundlich? Wir sind immer an innovativen und effizienten Prozessen interessiert, mit denen wir auch in unserem beruflichen Umfeld einen kleinen Beitrag zu einer grünen – oder vielleicht sogar einmal wieder einer weißen – Weihnachtszeit leisten können.

In diesem Sinne verraten wir Ihnen heute unser diesjähriges Weihnachtsmotto, das uns in der Vorweihnachtszeit begleiten wird:

O Tannenbaum!

Zum heutigen Hieronymus-Tag …

Welcher Hieronymus? Das fragen sich vielleicht manche Leser*innen. Hieß so nicht der Tausendfüßler aus der Kinderserie „Biene Maja“? Oder, Moment mal, sicher ist Hieronymus Bosch, der niederländische Renaissance-Maler, gemeint!

Nein. Gemeint ist der Gelehrte und Theologe Hieronymus, der im Jahre 347 n. Chr. geboren und am 30. September 420 gestorben ist. Heute jährt sich der Todestag dieses alten Kirchenvaters also zum 1.600sten Mal.

Und warum ist uns dieser Tag nun ein Blogartikel wert? Unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Übersetzungsbranche wissen es natürlich: Hieronymus gilt als Urvater der Übersetzerinnen und Übersetzer – und auch als deren Schutzpatron. Der 30. September ist Hieronymus zu Ehren der Internationale Tag des Übersetzens. Diese Idee stammt ursprünglich aus Frankreich. Dort wurde der 30. September erstmals 1954 von der Fédération Internationale des Traducteurs genutzt, um Aufmerksamkeit für ihre Branche zu erregen. Da diese Branche per definitionem eine internationale ist, wurde auch dieser Gedenktag immer weiter internationalisiert – und im Jahr 2017 schließlich durch die UNO-Generalversammlung ganz offiziell und weltweit als Internationaler Tag des Übersetzens anerkannt.

Aber zurück zu Hieronymus: Was hat der gelehrte Kirchenvater aus der Spätantike eigentlich Grundlegendes für unsere Branche getan? Nun, die Antwort ist recht naheliegend: Er war der erste Übersetzer des „Buchs der Bücher“, der Bibel. Da Hieronymus neben dem klassischen Latein auch Griechisch und Hebräisch beherrschte, war er dazu in der Lage, die ursprünglich verschiedensprachigen biblischen Schriften in eine Art zeitgenössisches Latein zu übertragen. Er verfasste somit die sog. „Vulgata“, die Bibelübersetzung, mit der sehr lange Zeit quasi als Standardwerk gearbeitet wurde. Durch seine Übertragung wurden die Bibeltexte einem wesentlich größeren Lesepublikum zugänglich gemacht. Die Vulgata war über Jahrhunderte hinweg die Bibelübersetzung schlechthin für die gesamte katholische Kirche.

Diese Entwicklung, ein größeres Zielpublikum zu erreichen, wurde übrigens erst nach der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im Jahre 1450 von Martin Luther fortgeführt. Luther, ebenfalls Gelehrter und Theologe, schaute „dem deutschen Volke aufs Maul“. Sprich: Er übersetzte Hieronymus‘ Vulgata aus dem mittlerweile nicht mehr zeitgemäßen Latein in die deutsche Alltagssprache. Damit machte er die Bibelinhalte einer noch größeren Menge an Menschen zugänglich, nämlich dem gemeinen Volk, das dem Lateinischen in der Regel nicht mächtig war. Und: Wissen ist Macht! War der Inhalt der Bibeltexte zuvor nur den Gelehrten und Theologen bekannt, begann nun das Wissens- und damit auch das Machtmonopol der katholischen Kirche langsam zu wackeln.

Zum Internationalen Übersetzertag finden üblicherweise zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen verschiedener Organisationen und Verbände statt, die auf die Relevanz und Leistungen der Übersetzerbranche hinweisen sollen. Fast alle Veranstaltungen mussten in diesem Jahr leider coronabedingt abgesagt werden. Dennoch möchten wir gern auf eine Veranstaltungsreihe der Weltlesebühne, eines Zusammenschlusses verschiedener Übersetzer, aufmerksam machen. Hier sind spannende kulturelle Veranstaltungen rund um das Thema „Übersetzen“ zusammengefasst. Vielleicht haben Sie ja heute Abend noch nichts vor.

Warum wir Schriftsprache brauchen – Gedanken zum Weltalphabetisierungstag

In Zeiten von Siri, Alexa und WhatsApp-Sprachnachrichten haben vielleicht schon so manch träge Tastentipper*innen oder gelangweilte Deutschunterricht-Gedichtsanalytiker*innen die leise Hoffnung geschürt, dass unsere geliebte Schriftsprache irgendwann ein überholtes Relikt der Vergangenheit ist. Warum brauchen wir überhaupt Schriftsprache? Anlässlich des heutigen Weltalphabetisierungstags möchten wir dieser Frage nachgehen.

 

Schriftsprache – eine kurze Einordnung

Schriftsprache gibt es nicht schon immer. Genauso wie gesprochene Sprache auch hat sie sich über die Zeit entwickelt und ist Teil des Menschseins geworden. Am anschaulichsten wird das wohl, wenn man sich Kommunikation bei Tieren ansieht. Vom Tanz der Bienen über eine australische Forscherin, die erstaunliche Erkenntnisse über das Muhen von Kühen gewinnen konnte, bis hin zu der Gorilladame Koko, die in der Lage war, über 1.000 Zeichen einer modifizierten amerikanischen Gebärdensprache korrekt zu verwenden: Tiere sprechen Sprache. Jedoch hat es keine Spezies dazu gebracht, eine Schriftsprache zu entwickeln – bis auf den Menschen. Während zu Beginn vermutlich nur mit einfachen bildhaften Symbolen kommuniziert wurde, entwickelten sich später immer abstraktere Schriftsysteme, die schließlich in unsere heutigen Schriftzeichen mündeten: lateinische, kyrillische, arabische, japanische, chinesische und viele mehr. Entsprechend ist die Schriftsprache Gegenstand verschiedenster Wissenschaftszweige: Archäologie, Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft, Linguistik, Literaturwissenschaft – und die Liste kann noch lange fortgeführt werden.

Schriftsprache – ein Plädoyer

Aber warum brauchen wir jetzt Schriftsprache? Das erste Argument liegt auf der Hand: Wir brauchen Schriftsprache, um überhaupt eigenständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Diese Erfahrung teilen alle, die sich an ihr Leben vor dem Schriftspracherwerb erinnern können. Auch als Erwachsene überhören wir noch von Zeit zu Zeit ein Kind, das gerade lesen gelernt hat und nun so vergnügt alles liest, was ihm in die Quere kommt: Verkehrsschilder, Speisekarten, Papas Personalausweis. Mit dem Aufblühen der städtischen Lebenskultur vor einigen Jahrhunderten, in der Menschen enger zusammenlebten und sich organisieren mussten, erfuhr auch die Schriftsprache einen Aufschwung. Von der Fahrt zur Arbeit über den wöchentlichen Einkauf bis hin zur abendlichen Lieblingslektüre: Ohne (Kenntnis von) Schriftsprache sind all diese alltäglichen Ereignisse nicht vorstellbar.

Es gibt aber auch Gesichtspunkte, die über die Vereinfachung unseres Alltags hinausgehen. Rein mündlich kommunizierenden Kulturen eine Schriftsprache zu verleihen, wird beispielsweise als eine Lösung genutzt, um diese Sprachen vor dem Aussterben zu retten. Wenn man bedenkt, dass rund die Hälfte aller Sprachen weltweit (ca. 6.000) vom Aussterben bedroht ist, spricht die Tatsache, dass wir mittels Schriftsprache einen Teil davon retten können, als Argument für die Bedeutung von Schriftsprache wohl für sich. Abgesehen davon kann und muss Schriftsprache in Form von Literatur als Medium unserer Kultur gesehen werden. Eine Welt ohne Bücher, Gedichte oder Blogbeiträge? Kaum auszudenken! Aber egal, ob Kino, Konzert oder Kriminalroman: Warum sollten wir uns willentlich einer Option berauben, unsere Kultur zu genießen und weiterzuentwickeln?

Schriftsprache ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur, in den Wissenschaften, aber auch schlicht: in unserem Alltag. Auch vor diesem Hintergrund schenken wir unsere Aufmerksamkeit dem heutigen Weltalphabetisierungstag.

Weltalphabetisierungstag – Zahlen und Fakten

Weltweit gibt es über 750 Millionen Erwachsene, denen basale schriftsprachliche Kompetenzen fehlen; in Deutschland sind ca. 7,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter sogenannte funktionale Analphabeten („leo. – Level-One Studie“, 2011), die zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, jedoch keine zusammenhängenden Texte verstehen können – egal wie lang (oder kurz) diese sein mögen. Rund 2 Millionen Menschen gelten darunter als Analphabeten im engeren Sinne, d. h., dass sie zwar einzelne Wörter lesend verstehen bzw. schreiben können – nicht jedoch ganze Sätze. Zudem müssen die betroffenen Personen auch gebräuchliche Wörter Buchstabe für Buchstabe zusammensetzen.

Seit 1967 begeht die UNESCO jährlich den „International Literacy Day“, den Welttag der Alphabetisierung, um die Öffentlichkeit an die Bedeutung der Alphabetisierung als einer Frage der Würde und Menschenrechte zu erinnern und so die Entwicklung hin zu einer immer stärker alphabetisierten und nachhaltigeren Gesellschaft voranzubringen.

Der Duden – ein sprachlicher Spiegel seiner Zeit

Als der Gymnasiallehrer Konrad Duden am 07. Juli 1880 sein „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ veröffentlichte, ahnte er wohl noch nicht, dass sein Nachname Jahrzehnte später den Charakter einer Marke annehmen würde. Auch für uns in der Sprachenfabrik gehört der Duden fest ins Repertoire und ist eins unserer unverzichtbaren Arbeitswerkzeuge. Wo kämen wir hin, wenn wir bei unseren Leistungen Korrektorat und Lektorat nicht auf den schlauen Ratgeber im gelben Design zurückgreifen könnten?

Von „Covid-19“ bis „Brexiteer“

Fast auf die Jahreszeit genau 140 Jahre später ist im August 2020 die inzwischen 28. Auflage erschienen. Und mit insgesamt 148.000 Stichwörtern, davon 3.000 neu aufgenommenen Begriffen, und Hinweisen zum geschlechtergerechten Gebrauch spiegelt der Duden mehr denn je den Zeitgeist der jüngsten Vergangenheit wider. Mit Begriffen wie „Shutdown“, „Social Distancing“, „Covid-19“, „Influencer“, „Klimakrise“, „haten“ und „Brexiteer“ trägt er all den Ereignissen und Entwicklungen sprachlich Rechnung, die uns in den letzten Wochen und Monaten begleitet haben. Angesichts zunehmender Gender-Debatten beinhaltet die neue Ausgabe z. B. auch Empfehlungen zum gendergerechten Sprachgebrauch – und das neue Gender-Sternchen ist bereits zu einer viel diskutierten Neuerung geworden. Mit dem „Duden-Mentor“, einer neuen Funktion zur Textprüfung, können die Käufer*innen einen Monat kostenlos digital ihre Texte prüfen lassen. Der Duden geht also auch in der digitalen Welt weitere Schritte.

28 Auflagen deutscher Geschichte

Angesichts der neuesten Ausgabe ist es interessant, auf ein paar Meilensteine in der Geschichte der 28 Duden-Auflagen zurückzublicken. Umfassen diese doch immerhin drei Jahrhunderte, wenn auch zwei davon nur in Teilen.

Welche Ereignisse fanden in den verschiedenen Auflagen ihren Niederschlag? Was hat sich in den neuen Ausgaben gegenüber den älteren geändert? Welche Wörter waren in bestimmten Auflagen tonangebend? Hier ein ausgewählter Überblick:

Als sogenannter Urduden ging die erste Auflage des Duden im Juli 1880 in die Geschichte ein. Verglichen mit der aktuellen Ausgabe war der Urduden ausgesprochen übersichtlich, nur 27.000 Stichwörter fanden auf 187 Seiten Platz. Das Erscheinungsjahr dieses ersten Dudens verwundert nicht, wenn man es vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte betrachtet: Die Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1870/71 verlangte nach Regeln für eine einheitliche Rechtschreibung im gesamten Land. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten z. B. alle Schulen in jedem deutschen Teilstaat ihre eigenen orthografischen Regeln aufgestellt.

Von der dritten Auflage an, die im Jahr 1887 erschien, umfasste der Duden immer mehr sachdienliche Erläuterungen zu bestimmten Begriffen sowie etymologische Angaben.
Vielleicht hatte diese Erweiterung zur Folge, dass ab der 7. Auflage im Jahr 1902 ein redaktionelles Team den Urheber Konrad Duden bei seiner Arbeit unterstützte – der Vorläufer der heutigen Duden-Redaktion, die auch nach Konrad Dudens Tod im Jahr 1911 die Verantwortung übernahm.

Es verwundert nicht, dass die 11. und 12. Auflage, die während der NS-Zeit erschienen, vom ideologischen Gedankengut der damaligen Zeit geprägt waren. So enthielt die 11. Auflage im Jahr 1934 180, die 12. Auflage im Jahr 1941 sogar 883 neue NS-Begriffe, die selbstverständlich im ersten „Nachkriegsduden“ 1947 wieder herausfielen.

Dass sich die deutsche Teilung schon zu Beginn der 50er-Jahre andeutete, fand sich auch in zwei unterschiedlichen Ausgaben des Duden wieder. Ab diesem Zeitpunkt veröffentlichten beide deutsche Staaten ihren jeweils eigenen Duden, einen Ost- und einen West-Duden.

Die Wortwahl machte die unterschiedlichen Lebenswelten in beiden deutschen Staaten deutlich: So enthielt der Ost-Duden ab Ende der 60er-Jahre zunehmend Begriffe aus dem sozialistischen Milieu. Begriffe wie „Kreuzfahrt“ oder „Staatsstreich“ wollte man verständlicherweise nicht aufnehmen. Der westdeutsche Duden war hingegen auch offen für die Jugendsprache. Auffallend ist, dass sich beide Duden-Ausgaben im Bereich der Rechtschreibung kaum voneinander unterschieden. Interessanterweise war im Ost-Duden bis in die 60er-Jahre hinein auch keine Trennung der politischen Systeme erkennbar: So erschien hier das allgemeine Wort „Deutschland“ für beide deutsche Staaten, „Berlin“ war die „Hauptstadt Deutschlands“. Von Begriffen wie „BRD“ und „DDR“ war erstaunlicherweise nicht die Rede. Dies änderte sich zwar im weiteren Verlauf der Ausgaben. Aber man kann schon an dieser Stelle vielleicht erahnen, dass später „zusammenwachsen muss, was zusammengehört“.

Dies war dann tatsächlich im sogenannten Einheitsduden der Fall, der im August 1991 als 20. Auflage erschien. Das Kapitel der zwei parallel existierenden Duden-Ausgaben ging damit nach gut 40 Jahren zu Ende.

Von der 21. Auflage im Jahr 1996 an begann man, die Inhalte des Dudens fortlaufend zu vereinfachen und zu erweitern. Im „Reformduden“ vereinfachte man z. B. die Regelungen zur Laut-Buchstaben-Zuordnung, zur Getrennt- und Zusammenschreibung und zur Zeichensetzung. Das Computer-Zeitalter machte sich bemerkbar, denn erstmals gab es den Duden als CD-ROM.
Die 23. Auflage aus dem Jahr 2004 ging einen weiteren Schritt in Richtung sprachliche Gleichstellung, indem sie weibliche Personenendungen aufnahm. Inzwischen war der Duden völlig in der digitalen Welt angekommen: Er war für alle technischen Systeme verfügbar, mittlerweile auch für Smartphones.

Einmal mehr machte der Duden in der 24. Auflage im Jahr 2006 als Orthografie-Ratgeber seinem Namen alle Ehre: Die Duden-Redaktion machte erstmals empfohlene Schreibweisenvarianten mit gelber Schriftfarbe optisch kenntlich.

Auch im Bereich des Wortschatzes öffnete sich der Duden in den folgenden Jahren immer mehr dem Zeitgeist und zeigte, dass sich Sprache untrennbar mit gesellschaftlichen Entwicklungen verband und verbinden wird: Abwrackprämie, Web-Log, QR-Code, Inklusion, Flashmob … Die Liste ist noch nicht zu Ende.

Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie die 29. Auflage in ein paar Jahren aussieht.